Seiteninhalt
Ein Haus für die Kunst
Vilsbiburg, 20.07.2011
Ein Haus nur für die Kunst soll es werden, das neue Kulturhaus am Haslbeck-Gelände, kein Vereinsheim und auch kein Bürgersaal. Darüber war man sich auf dem letzten Bürgergespräch der Freien Wähler fast einstimmig einig. In Vorbereitung auf die Stadtratssitzung am kommenden Mittwoch trafen sich die Stadträte der FW mit interessierten Bürgern zum Meinungsaustausch.
Gleich zu Beginn der lebhaften Sitzung kristallisierte sich die Frage heraus: Welche Nutzungen sollen in dem Haus eigentlich verwirklicht werden? Vilsbiburg hat viele Multifunktionsräume und viele Sporthallen, aber keinen Raum für Theater, Konzerte, Kleinkunst, Installationen, Bildergalerie, Aktionskunst oder ähnlichem.
Künstler, die sich momentan in Vilsbiburg präsentieren wollen, müssen sich an die räumlichen Bedingungen halten die eine Aula oder eine Turnhalle vorgibt. Ähnliches würde man von einem Sportler nicht erwarten, dass er seine Aktivitäten in einer Aula ausübt. Daraus ergibt sich die Forderung, dass das neue Kulturhaus räumlich und technisch auf den Kulturbetrieb zugeschnitten sein sollte, auf keinen Fall will man einen Multifunktionsraum. Auch dem Wunsch nach Lagerräumen für Vereine wurde eine prinzipielle Absage erteilt.
Schließlich erwartet man auch ein gewisses Ambiente, Flair und Atmosphäre vom Kulturhaus. „Da muss man gerne hingehen und sich wohlfühlen“, war eine wichtige Aussage eines Besuchers der Versammlung. Mit der herrlichen Lage an der Vils würde das sicher umgesetzt werden können, „auch wenn wir Freie Wähler das Projekt aus verschiedenen Gründen lieber im Urban-Hof verwirklicht hätten,“ ergänzte FW-Vorsitzender Sebastian Huber.
Wie groß sollte eigentlich der Kultursaal sein? Einerseits lässt ein zu großer Saal nur schwer Atmosphäre aufkommen, andererseits darf er nicht zu klein sein, um auch attraktive Veranstaltungen aufnehmen zu können. Am häufigsten wurden Zahlen zwischen 300 und 500 Sitzplätzen genannt. „Viele Veranstaltungen in Vilsbiburg bewegen sich um 400 Zuschauer, das müsste meiner Meinung nach die richtige Größe sein,“ legte sich Stadträtin Christine Koj fest. Der Formulierung „eher etwas kleiner, um Atmosphäre zu schaffen als zu groß, daher sollte eine architektonische Lösung möglich sein, dass sich auch 100 Besucher wohlfühlen,“ wurde nicht widersprochen.
Die, in einer Vorplanung von Eck-Fehmi-Zett vorgeschlagenen, 700 Plätze auf 1300 qm, erschienen allen zu groß. „Die bisherigen Planungen sind hauptsächlich auf die großen Kulturvereine Vilsbiburgs zugeschnitten und lassen die Bedürfnisse der kleineren Kulturgruppen völlig außer Acht,“ sagte ein Bürger. Daraus ergibt sich die Forderung, dass der Saal abtrennbar sein müsste. Ob das allerdings zufriedenstellend gelöst werden kann wurde bezweifelt, denn „Falt- und Schiebewände sollten es nicht sein.“ Möglicherweise würde sich eine Galerie oder ein kleinerer Nebensaal anbieten. „Aber das müssen die Architekten ausarbeiten,“ sagte Stadtrat Herrmann Schmidt. Oder man verwendet den „Troadksten“ dafür.
Nach Ansicht von Manfred Eberl scheidet auch eine traditionelle Gaststätte im Kulturhaus aus, vor allem weil dann Fördermittel gestrichen werden. Ein Foyer mit Catering und Blick auf die Vils ist allerdings vorstellbar, evtl. in Verbindung mit einem benachbarten Wirtshaus.
Überhaupt war man der Meinung, dass man die Architekten nicht zu stark mit Vorgaben einengen sollte. Fragen wie Bühnengröße, Regiekanzel, Garderoben, Lage des Foyers, teilbarer Saal, Gebäudelage, technische Ausstattung u.s.w. sollte von den Architekten in einem Wettbewerb planerisch beantwortet werden. Ob der „Troadkasten“ z.B. als Galerie, mit in die Planungen einbezogen werden soll, muss aber als Vorgabe vom Stadtrat entschieden werden. Allerdings wurde die Forderung erhoben, wirkliche Fachleute zu holen, die auch von Veranstaltungstechnik und ähnlichem eine Ahnung haben und den Architekten beraten können.
Sebastian Huber warf dann die Frage nach einer Tiefgarage auf. Seiner Meinung nach wäre es ein Fehler darauf zu verzichten, „eine solche Gelegenheit direkt neben dem Stadtplatz bekommen wir nie wieder.“ Zumal durch die Bebauung des Haslbeck-Areal beliebte Parkmöglichkeiten wegfallen. Stadtrat Karlheinz Hiller meinte, dass eine Tiefgarage unbedingt nötig sei, da für die weiteren Nutzungen des Haslbeck-Grundstücks ebenfalls Parkplätze benötigt werden. „Aber billig wird das nicht!“
In diesem Zusammenhang erinnerte Christine Koj an die „absolute Notwendigkeit, das gesamte Areal zu überplanen und nicht nur das Kulturhaus und dann zu warten bis sich auf dem restlichen Grundstück was ergibt.“
Von Manfred Billinger wurde zum Schluss der Versammlung eine gewagte Idee vorgetragen: eine beidseitig bespielbare Bühne, auf der einen Seite in den Vortragssaal und auf der anderen Seite ins Freie für eine Freilichtveranstaltung. „Eine Herausforderung für die Architekten,“ meinte Hiller, „vor allem wenn man bedenkt, dass neue städtische Gebäude in der Passivhaus-Bauweise errichtet werden sollen.“ Aber, so Billinger, das wäre eine einmalige Sache, die es so noch nicht gibt.
Folgendes Arbeitspapier wurde auf der Sitzung erarbeitet:
| Vorschläge für Anregungen/Wünsche | Forderungen |
| Welche Nutzungen soll das Kulturhaus haben? | Die Klärung dieser Frage ist die Grundvoraussetzung für Größe, Ausstattung, Bauausführung, Lage. |
| Das Kulturhaus soll in Fortsetzung zum Rathaus am Vilsufer gebaut werden und erhält eigenen Zugang vom Rathaus | Es soll ein Architektenwettbewerb für das gesamte Areal durchgeführt werden |
| Im KH ist ein neuer Sitzungssaal einzuplanen | Nein |
| Auf dem ABV - Gelände ist eine Tiefgarage für ca. 200 Stellplätze zu bauen; ein Verbindungsgang zum KH ist erforderlich | Unbedingt erforderlich, im Gebäude des Kulturhauses oder eigene TG
|
| Das KH soll für höchstens 500 Sitzplätze (Theaterbestuhlung) gebaut werden | Der Zuschauerraum soll ein gewisses „Flair“ haben, in dem sich die Zuschauer nicht „verlieren“. Es soll kein „kaltes“ Gebäude werden. Größe zwischen 300 – max. 500 Plätze |
| Der Zuschauerraum soll teilbar sein (einfach/mehrfach) | Statt teilbar durch Trennwand lieber kleinerer Zuschauerraum im EG, dafür zusätzliche Plätze im oberen Rang. Es wurde der Vorschlag gemacht, das Kulturhaus so zu planen, dass man den Zuschauerraum auch nach außen vergrößern kann. |
| Die Bühne soll auf die gesamte Breite des Saales gebaut werden | Soll dem Facharchitekten überlassen werden. Es wurde der Vorschlag gemacht, die Bühne so zu planen, dass sie für Innen- und Außenveranstaltungen verwendet werden kann. |
| Das KH braucht technische Grundausstattung | Für zahlreiche kulturelle Veranstaltungen ist es Grundvoraussetzung, eine ausreichende Licht- und Tontechnik zu haben. |
| Auf eine Hinterbühne wird verzichtet; ein Requisitenraum ist in Bühnennähe vorzusehen | ja Requisitenraum neben bzw. in Bühnennähe erforderlich |
| Im KH sollen Proben- und Lagerräume für Vereine/Gruppen vorhanden sein | Ein Proberaum würde genügen, auf Lagerräume für einzelne Vereine soll verzichtet werden. |
| Das KH soll zusätzlich mit einem oberen Rang ausgestattet sein | ja – sh. oben |
| Die Regiekanzel soll gegenüber der Bühne angebracht werden | Soll dem Facharchitekten überlassen werden, die Bühne muss im Regieraum hörbar sein! |
| Das KH soll mit Einzel- und/oder Gemeinschaftsgarderoben ausgestattet werden | Beide Varianten sind vorzusehen |
| Das Foyer soll zur Vilsseite/Hofseite hin geöffnet werden können | Soll dem Architekten überlassen werden |
| Garderobe, WC-Anlagen, Stuhllager sollen im UG untergebracht werden (Aufzug nötig) | ja |
| Das KH wird per Catering versorgt | ja |
| Eine gewünschte Galerie ist im „Troadkasten“ einzurichten | Kulturhaus und Troadkasten sollen eine Einheit bilden; Troadkasten kann dann separat für Galerie verwendet werden. |






